Der Tag der Tagundnachtgleiche

Der neunte März ist ein symbolischer Tag. Die Symbole erlangen nur dann Bedeutung, wenn man ihren inneren Sinn deutet und versteht. Der neunte März ist der Tag der Tagundnachtgleiche. Wenn ihr nur neunter März oder Tagundnachtgleiche sagt, hat das keinen Sinn. Die Überlieferung sagt, der neunte März sei der Tag der Tagundnachtgleiche, als der Mensch erschaffen, d. h. geboren wurde. Dieser Tag war ein Freitag. Damals gab es auch Tagundnachtgleiche.

Die Tagundnachtgleiche des Menschen ist der Sonnenaufgang vom Süden zum Norden hin. Der Norden ist das Hinauf, der Süden das Hinab. Seit Christi Zeiten begann der Mensch zu evoluieren, d. h. zu Gott hinaufzusteigen.

Wenn ihr den neunten März als den Tag, in welchen die göttlichen Kräfte in euch eine neue Evolution zu Gott hin beginnen, begehen könnt, ist das die Tagundnachtgleiche oder der Übergang von einem Zustand des Seins in einem Andern. Die Tagundnachtgleiche bringt die schönsten Gedanken und Wünsche in den Menschen. Von da an beginnen die in die Erde vergrabenen Samen hervorzusprießen, zu gedeihen, zu blühen und ihren Duft zu verstreuen. Ohne den göttlichen Geist ist der Mensch wie die schwarze Erde. Über solch einen Menschen sagt man, er sei kalt und finster und entbehre jegliche Schönheit. Bekundet sich der göttliche Geist, d. h. die in ihm verborgen liegenden Kräfte, beginnen alle Samen, Gräser und Blumen hervorzusprießen, zu gedeihen und zu blühen, d.h. sich in verschiedenen Farben zu kleiden. So wird der Mensch schön. Der Mensch kann nicht schön werden, solange die göttliche Sonne in ihn nicht aufgeht, wie die Sonne, die von der nördlichen Hemisphäre kommt und sich gen Süden, d. h. vom einen Pol des Seins zum anderen bewegt. Der Norden bedeutet Wahrheit, aber auch Tod; der Süden bedeutet Tugend und Leben. Solange der Mensch nicht stirbt, kann er nicht leben; das ist das Gesetz. Das Leben beginnt mit dem Tod. Das ist ein Widerspruch, aber auch eine Tatsache, die durch die Natur selbst geprüft wird.

9 (22) März 1920, 8 Uhr, Sofia

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