Gerechtigkeit

„Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters. (Mt 13,43)

Weder auf Erden noch im Himmel, sondern im Reich ihres Vaters. Dieses Reich ist nicht das Reich der Natur. Das Reich der Natur ist ein Heim für die Erziehung der kleinen Kinder. Und diese Gerechten sind nicht die gewöhnlichen Gerechten auf der Erde. Und auch die Gerechtigkeit, von der ich spreche, ist nicht die einfache Gerechtigkeit.

Ich rede von jener Gerechtigkeit, in der es Licht gibt. „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.“ Wenn du das Licht dieses Reiches ausstrahlst, dann bist du ein Gerechter, wenn du dieses Licht nicht ausstrahlst, dann gibt es keine Gerechtigkeit in dir. Unter den gewöhnlichen Gerechten dieser Welt, die kein Licht besitzen, kann jeder als ein Gerechter gelten. „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.“ Viele werden vielleicht sagen: „Was interessiert uns, dass die Gerechten in irgendeinem Reich leuchten werden?“ Das ist sehr wichtig. Ohne Licht auf der Erde kann es keinen Fortschritt und keine Entwicklung geben. Vor Milliarden von Jahren sind diese Lebewesen ins Reich Gottes eingetreten und haben dieses Licht erworben. Dank dieses Lichtes kann die Welt jetzt sehen. Es ist ein Ausdruck ihrer Gerechtigkeit.

Wer sind die Gerechten, die leuchten? Das sind die Engel, die Diener Gottes. Und wenn sie nicht mehr leuchten würden, nicht mehr mit der Gerechtigkeit leben würden, dann würden wir auf der Erde zugrunde gehen. Und wenn ihr mich fragt, warum wir die Gerechtigkeit brauchen, antworte ich euch: Damit die Nachkommen in ihrem Licht leben können.

Das Licht, das der Gerechtigkeit entspringt, ist die Essenz jenes Lichtes, das Leben spendet und das Leben impliziert.

Die Liebe zeigt sich nur denjenigen, die gerecht sind und im Reich Gottes leuchten, also in jener großen, vernünftigen Welt, wo die Gerechten den tiefen Sinn der Dinge verstehen.

Die Gerechtigkeit, das ist eine Eigenschaft der menschlichen Seele. Jede Seele ist geboren, um gerecht zu sein. Und am Anfang war sie gerecht. Erwerbt diese Eigenschaft, gerecht zu sein, dieses Erbe, das euch hinterlassen wurde.

Jede Seele soll gerecht sein. Warum? Damit aus ihr das große Licht hervorgeht. Und im Licht, das aus der Gerechtigkeit hervorgeht, wird sich ihr die Liebe zeigen. Die Gerechtigkeit, das ist die Basis, auf der sich die Liebe zeigt und die menschliche Seele erleuchtet. Alle Seelen können gerecht sein und Licht ausstrahlen. Seelen, die nicht leuchten wollen, sind Seelen, die gegen Gott kämpfen.

Kämpfe nicht gegen Gott! Geh ins Licht der Gerechtigkeit hinein und begreife, dass du nicht so lebst, wie der Mensch leben soll!

Kämpfe nicht gegen den großen Vater der Liebe, der das ganze Weltall, alle Lebewesen in seiner Harmonie vereint!

Heilige seinen Namen, denn er ist derjenige, der sich unzählige Male für alle Lebewesen geopfert hat. Wenn du einmal seine Stimme hörst, dann wird bei dir auf einmal der Wunsch entstehen, sich ebenfalls für ihn zu opfern. In dir wird die Bereitschaft entstehen, alles zu geben, ohne dass du einen Funken Reue empfindest. Du sagst zu dir: {\glqq Ich habe zu wenig gegeben, ich würde noch Millionen Jahre leben, um zu geben.\grqq}

Die absolute Liebe Gottes verlangt nach absoluter Gerechtigkeit. Dort, wo keine Gerechtigkeit ist, ist keine Liebe. Die physische Seite der Liebe ist die Gerechtigkeit. Damit sich die Liebe in der physischen Welt zeigt, muss unbedingt Gerechtigkeit da sein. Ist keine Gerechtigkeit da, ist das ganze angenehme Geplauder umsonst.

Die Menschen brauchen die absolute göttliche Gerechtigkeit, jene Gerechtigkeit, die für alle ohne eine einzige Ausnahme gleich anzuwenden ist, die Gerechtigkeit, die nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, von dem kleinsten bis zum größten berücksichtigt.

Gemäß der großen Gerechtigkeit soll das Gesetz gleich für alle, d. h. gegenüber dem Ochsen, Menschen, Nichtgelehrten, Gelehrten einfachen Bürger und gegenüber dem Zaren sein. Wenn wir zu diesem heiligen Gesetz kommen, sollen wir alle heilige Ehrfurcht vor ihm empfinden. Denn sowohl, wenn der einfache Bürger als auch der Zar einen Fehler begehen, ist das eben ein Verstoß gegen das Gesetz der Gerechtigkeit.

Es ist die Gerechtigkeit, die die wahren Beziehungen zwischen den Menschenseelen schafft. Wenn sie kommt, dann zeigt sich jene wahre Achtung, die die Menschen füreinander haben sollen. Dann werden wir für niemanden Verachtung empfinden und werden heilig füreinander sein.
Deshalb sollt ihr, um die Vollkommenheit zu erreichen, die göttliche Gerechtigkeit in eurem Leben an den Anfang stellen, durch die sich die Liebe zu allen Wesen — Menschen, Tieren und Pflanzen — äußern wird. Erwerbt ihr das, seht ihr nur das Gute, wo ihr auch hinblickt. Seht ihr das Gute, erzeugt es in eurer Seele eine heilige Erregung.

Die Gerechtigkeit ist etwas Innerliches. Gerecht zu sein, das bedeutet zu wissen, wie man sich bei jedem seiner Gedanken, bei jedem Gefühl, bei jeder Tat verhalten soll. Gerecht zu sein bedeutet zu wissen, wie man als denkendes Wesen, als vernünftiger, wirklich kultureller Mensch handeln soll. Wenn du wahre Beziehungen zu allen Wesen haben willst, sei gerecht zu ihnen.

Die Gerechtigkeit ist ein großer innerlicher Prozess der Verteilung von allen göttlichen Gütern an alle Teile des Organismus — sei es der Organismus eines Individuums, einer Gesellschaft, eines Volkes oder der ganzen Menschheit. Sie ist der Blutkreislauf, der das Blut überall hin liefert, damit jede Zelle alles aufnehmen kann, was sie benötigt, um ihre Arbeit zu verrichten. Dank der Gerechtigkeit dieses großen Blutkreislaufes bekommen sowohl die kleinste Zelle als auch das kleinste Wesen auf der Welt ihre Nahrung.

Die Gerechtigkeit, andererseits, kann man mit dem Wasser vergleichen. Was das Wasser in Bezug auf die harte Erde ist, das ist die Gerechtigkeit in Bezug auf das menschliche Leben, denn sie macht die harten Körper weicher. Die Menschen, die sich erbost haben, sind härter geworden, denn sie haben keine Gerechtigkeit. Und diejenigen, die weicher geworden sind, sind gerecht. Verleiht einem Menschen die Gerechtigkeit und er wird weich. Die gleiche Auswirkung hat das Wasser auf die Pflanzen.

Wir sollen jedem sein Recht geben, denn wie das Wasser für das Wachstum der Pflanzen nötig ist, so ist auch die Gerechtigkeit für das Wachstum unserer Vernunft und unseres Herzens nötig. Ohne sie kann es kein Wachstum geben. Wenn ihr euch richtig entwickeln wollt, dann solltet ihr gerecht handeln.

Und wenn ihr nach der Gerechtigkeit handeln sollt, handelt gerecht, auch wenn die Welt dabei auf den Kopf gestellt wird. Die feigen Menschen können nicht gerecht sein. Der Mensch der Gerechtigkeit soll von absoluter Furchtlosigkeit sein.

Damit Frieden in einem beliebigen Staat herrscht, soll die Gerechtigkeit herrschen. Wenn die Rechtlosigkeit herrscht, entsteht Unordnung in ihm. Öffnet die Seiten der Geschichtsbücher der Vergangenheit, betrachtet aufmerksam die Gegenwart und ihr werdet feststellen, dass die Rechtlosigkeit immer ein Grund jeder Unordnung war. Überall herrscht das gleiche Gesetz; wenn Rechtlosigkeit herrscht, entsteht sofort Unordnung.

Die Gerechtigkeit bestimmt die Beziehungen zwischen den Menschen. Sie verteilt die Güter Gottes, das Blut des Lebens im gesamten menschlichen Organismus.

Die Gerechtigkeit soll so in der Welt angewendet werden, dass kein armer Mensch bleibt, der seufzt und ausruft: {\glqq Ist kein Gott auf dieser Welt?\grqq} Aus diesem Grund soll der wahrhaft Gerechte, wenn er betet, von Gott verlangen, ihm eine leidende Seele zu zeigen, damit er ihr hilft.

Die göttliche Gerechtigkeit schließt jegliche Ehren und jeglichen Ruhm, jegliche Reichtümer und jegliches Wissen um des eigenen Nutzens willen aus. Solange der Mensch alles außerhalb von sich selbst sucht, wird er in der vergänglichen Welt sein und jeder kann ihm seine Güter, die er besitzt, wegnehmen. Gehen diese Güter in sein Herz hinein, dann hat er schon seinen Geliebten — die göttliche Gerechtigkeit, gefunden, die den Menschen unerschütterlich und unverletzlich macht.

Von der Fülle des Herzens, von dem Überfluss dieser Güter geben die wahrhaft Gerechten. Sie sind reich. Sie sind auf die Erde gekommen, um eine bestimmte Arbeit zu verrichten und Erfahrung zu sammeln. Sie sind von einem anderen System gekommen und verfügen über die ganze Erde. Sie können hier solange leben, wie sie wollen. Wenn sie ihre Arbeit beenden, gehen sie dorthin, woher sie gekommen sind.

Die gerechten Menschen sind reich. Sie sind Söhne Gottes. Und jeder Mensch, der Sohn Gottes ist, verfügt über das Kapital des ganzen Sonnensystems.

Die göttliche Gerechtigkeit, deren Träger sie sind und die jetzt in die Welt kommt, erwärmt die menschlichen Herzen. Und in Zukunft, in der neuen Kultur, in der Kultur der Leuchtenden, wird die Welt sich von den menschlichen Herzen erwärmen und erhellen, die von der Gerechtigkeit bewohnt werden.

Von diesen Zukunftstagen her sendet Christus — Christus der Liebe — eine Nachricht, die in der Gerechtigkeit ihren Ausdruck gefunden hat. Die Gerechtigkeit leuchtet bei jenen, die ihn lieben.